Retrotaschen, Hach, Schwarz und schönes Scheitern - re:publica 2011

Jetzt liege ich hier um 6 Uhr morgens in Hamburg im Bett, mein Urlaub mit Christiane beginnt und ich schaue sentimental auf drei Tage re:publica zurück.

Das war die erste re:publica, auf der ich Retrotaschen gesehen habe. Der Florian trug die ganze Zeit eine Jutetasche mit dem Aufdruck "re:publica 2009" mit sich rum. Das war angeblich eine Notlösung, da seine vorgesehene Konferenztasche bei Mathias gewesen sein soll, aber das glaub ich ihm nicht. Wahrscheinlich war das ein Hipster-Statement und mit der Aussage "Ich war schon früher dabei" verbunden. Meine These wird unterstützt durch zwei weitere Sichtungen genau dieses Taschenmodells. Ihr müsst mir das übrigens quellenlos glauben, ausser der Florian schickt mir noch ein Foto. (UPDATE: Der Florian sagt, er häbe die Tasche nur einmal getragen, als die übrigen Sichtungen haben sich Carolin und Ronnie geoutet)

Hach, mein Wort zur re:publica 2011. Ich würde da auch hinfahren, nur um die ganzen netten Leute zu sehen und gemeinsam "Hach, wie schön" zu sagen. Aber diesmal war es noch hachiger als in den drei Jahren zuvor. Ich habe für den Freitag kurz was in die Kamera sagen dürfen, der Dialog ging ungefähr so:

Sie so: "Sag doch kurz was zur re:publica in die Kamera"
Ich so: "Die re:publica ist ein grosses Klassentreffen...."
Sie so: "Du bist jetzt der achte von neun Leuten, der Klassentreffen gesagt hat"

Und es stimmt auch, alle waren da. Die Twitterleser Anne, Picki, Sue und Björn natürlich, die ich so doll mag und die mir die Ehre erwiesen, Teil der Twitterlesungsjury zu sein. Ich durfte sogar mit Sanja Insa (sorry für die hochnotpeinliche Verwechslung) einen aufblasbaren Wal auf die Bühne des Friedrichstadtpalastes tragen, mein ganz persönlicher "Ich habe eine Melone getragen"-Moment. Und Backstage sein. Und den Tweet meines Bruders auf der Bühne vorlesen (secret revealed).

Wal_rp11

Die Blogwerker (aktuelle wie ehemalige) waren auch fast vollständig, da. Immer weiter weg, also emotional, aber immer schön, meine ehemaligen Kollegen zu sehen. Also ein bisschen hachig auf alle Fälle. 

Meine liebste Christiane war diesmal auch mit dabei, mit ihrer Kollegin Olivia. Selbst die Kosmetikindustrie hat die re:publica also entdeckt (Kommerz!). Schöner Battle dann um 1 Uhr nachts auf der Abschlussparty mit Sarah von der Konkurrenz. Die Waffe der Wahl war das Schminktäschchen bzw. der Inhalt desselben. Ich denke, dass war irgendwie postfeministisch-ironisch gemeint, aber ich war nicht durchgehend aufmerksam.

Handtaschenvergleich

Meine Nachfolgerin Juliane (bei local.ch) durfte ich dann endlich auch mal privat kennenlernen. Das erste Mal hatte ich sie im Vorstellungsgespräch in Bern getroffen, was eine etwas unhachige Gesprächssituation war. War jetzt aber toll, fand sie auch.

Und Bruder Jakob und Anna verteilten offline-Flyer für ihr Wir-Ziehen-Zusammen-Blog erstes-og.de. Die spinnen. Und Anna ist jetzt Modell für Handyverträge. Und sie stehen als Kuschelpaar in der Neon. Verrückt:

Traumpaar

Schwarz war das Getränk der re:publica, wenn auch nur bei Florian und mir. Club Mate kann jeder. Sehr schönes Hotel dieses "The Weinmeister" und "Schwarz" war das Getränk dazu. Es gibt nichts besseres um 4 Uhr morgens, wenn man meint, jetzt noch was trinken zu müssen. 

Sehr schön war unsere Spontansession zur Awesome Foundation Zürich. Da die Berliner (ich vermute aus Gründen) nicht da waren, haben wir halt schnell die Session gekapert und über unser Chapter in Zürich geredet. Ich fands super, die anderen wohl auch, und Blogwerk-Geschäftsführer Philip hat mich irgendwas zum "Return on Investment" gefragt, was ich mit "der ist mehr so emotional" beantwortete.

Die anderen Sessions waren meistens super. Ich habe auch talentierte Menschen auf der Bühne scheitern sehen, aber das gehört dazu. Es ist wohltuend abwechselnd, dass manche Vorträge nicht funktioniert haben. Dann stehe ich halt mit sechs anderen an der Bar, trinke Club Mate und spreche über das Internet, so what.

Kalkscheune_voll

Das schlimmste, was passieren könnte, wäre übrigens, dass die re:publica zu yet another Social-Media-Berater-Konferenz wird. Dann noch die Preise verzwanzigfachen, in ein Tagungshotel gehen und vorbei mit der schönsten Veranstaltung des Jahres. Davon gibts gefühlt 2742 im deutschsprachigen Raum und alle sind überflüssig (alle!). Ich kann Social Media, da kann mir eh keiner was beibringen und das ist auch überhaupt nicht schwer. There, I said it.

Aber was die re:publica eben hat ist ein bestimmter Geist, eine Haltung und einen Anspruch. Wenn man akzeptiert, dass das Internet vieles in der Gesellschaft grundlegend verändert hat und verändern wird, dann kann man hier genau darüber diskutieren, weiterdenken und neu denken und überdenken. Und gleichzeitig ein Bier trinken. Ich mag diese Haltung sehr, sehr, sehr.