Warum Papier zu fotografieren keine Gegenwart hat

Papier ist tot. Es wird auch nicht lebendig, wenn man es mit dem Smartphone fotografiert. Der Medienbruch von Papier zu App ist unnötig.

Heute hat Coop Schweiz ein neues Feature für ihre coop@home-App vorgestellt. Das ganze ist ein Showcase: Im Schaufenster einer Filiale in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs hängen Plakate. Wer diese Plakate mit der Coop-App fotografiert, kann sich diese Produkte nach Hause liefern lassen. 

Witzige Marketingaktion? Joah. Technisch beeindruckend? Ein bisschen (aber in Korea auch schon mal gesehen).

Wichtigste Frage: Praktisch für Kunden? Kein bisschen.

Ich soll also zu einem Supermarkt gehen, dort das Schaufenster fotografieren und dann Stunden oder Tage warten, bis ich das nach Hause geliefert bekomme? Und dafür auch noch einen Aufpreis von 10-18 CHF zahlen? Anstatt einfach reinzugehen, zu kaufen was ich brauche und fertig? Really?

Ich habe nichts gegen Mobile Shopping. Im Gegenteil: Das funktioniert jetzt schon bestens. Ich sitze im Zug und bestelle schnell noch ein paar Dinge über die Coop- oder Migros-App. Dazu kommen zukünftig noch mehr mobile Angebote mit Location Based Unterstützung, Push-Notifications und Integration in To-Do-Listen. Spannendes Feld, grosser Markt.

Aber auf "Augmented Plakatwände" trifft das gleiche zu wie auf QR-Codes und Apps wie Paperboy, die einem das Abfotografieren von Print-Zeitungen ermöglichen: Sie sind Krücken.

Warum sollte ich als User umständlich mein Handy hervorkramen, eine App öffnen und bedrucktes Werbepapier abfotografieren? Wahrscheinlich nur dann, wenn ich Discounts bekomme oder etwas verlost wird. Das mag fürs Marketing ein- bis zweimal funktionieren, langfristig ist das keine Strategie.

Der User hat am Ende nichts davon, der Medienbruch ist zu gross.

Mit einem Smartphone habe ich ein mächtiges Gerät in meinen Händen. Als User kann ich Inhalte sehen, weiterleiten, Angebote einholen, einkaufen. Und zukünftig auch bezahlen (Google Wallet,NFC).

Als Unternehmen kann ich direkt darauf werben oder eine eigene, überzeugende App anbieten. Das ist die Zukunft.

Papier zu fotografieren hat nicht nur keine Zukunft. Es hat noch nicht mal Gegenwart.

Addendum: Wir haben seit kurzem in der local.ch-App ein Augmented Reality-Feature, mit dem man das Telefonbuch abfotografieren kann und Bilder und Videos sieht. Ich halte das auch für uns nicht für die Zukunft, aber wir probieren gerne mal neuen technischen Kram aus. Video davon gibts auch.